Erkrankungen der Nägel
Die Nägel sind Abkömmlinge der Epidermis und dienen zum Schutz der Fingerkuppen sowie zur Unterstützung feiner Greiffunktion. Verschiedene Erkrankungen können die Nägel befallen und sind häufig ein Zeichen von Zustände der Haut, Infektionen oder systemischen Erkrankungen. Von Infektionen durch Pilze bis zu Störungen des Nagelwachstums – viele Nagelerkrankungen sind reversibel, wenn die Ursache behoben wird. Ein genaues Verständnis dieser Erkrankungen ermöglicht frühzeitige Erkennung und angemessene Behandlung.
Nagelpilzinfektionen (Onychomykose)
Die Onychomykose ist eine Pilzinfektion der Nägel, die zu Verfärbung, Verdickung, Brüchigkeit und manchmal Zersetzung führt. Sie wird häufig durch Dermatophyten, aber auch durch Hefepilze oder andere Myketen verursacht. Risikofaktoren sind fortgeschrittenes Alter, Diabetes, Durchblutungsstörungen und geschwächtes Immunsystem. Die Infektion beginnt häufig am Nagelrand und breitet sich nach zentral aus. Die Diagnose wird durch Kultur oder Pilznachweis gestellt. Die Behandlung erfolgt mit systemischen Antimykotika über mehrere Monate, topische Antimykotika allein sind meist weniger wirksam. Prävention durch Trockenheit, Vermeidung von Trauma und Desinfektion von Nagelwerkzeugen ist wichtig, da die Reinfektion häufig ist.
Nagelinfektionen und Paronychia
Die Paronychie ist eine Entzündung des Nagelbettes und der Nagelflanken, oft durch Bakterien oder Candida verursacht. Die akute Paronychie folgt meist auf Nagelverletzung oder aggressive Nagelpflege und zeigt sich durch Rötung, Schwellung, Schmerz und manchmal Eiterung. Die chronische Paronychie tritt bei häufiger Wasserkontakt auf und führt zu Verformung des Nagels. Die Behandlung der akuten Form besteht aus Antisepsis, Drainage bei Eiterung und antibiotischen Umschlägen. Bei der chronischen Form ist die Vermeidung von Wasserkontakt durch Handschuhe wichtig. Topische oder systemische Antimykotika helfen bei Candida-Infektion.
Nagelverformungen und Dystrophie
Verformungen der Nägel können verschiedene Ursachen haben. Das Löffelnagelphänomen (Koilonychie) zeigt konkave Nägel und ist oft mit Eisenmangel, chronischen Infektionen oder Kontakt mit reizenden Stoffen verbunden. Die Uhrglasnageldeformität tritt bei chronischen Lungenerkrankungen oder kardialen Erkrankungen auf. Die Horizontalen Rillen (Beau-Linien) entstehen durch schwere systemische Erkrankungen oder Medikamentennebenwirkungen und zeigen eine Wachstumspause an. Lengspalt-Nägel zeigen längliche Risse und sind oft traumatisch bedingt. Die Behandlung richtet sich nach der Grundursache.
Verfärbungen und Nagelbettveränderungen
Nagelverfärbungen können normale oder pathologische Ursachen haben. Weiße Flecken sind meist harmlos und entstehen durch kleine Traumen. Verfärbungen des gesamten Nagels können auf Leber-, Nieren- oder Herzerkrankungen hindeuten. Melanonychie (braun-schwarze Verfärbung) kann durch Pilzinfektion, Trauma oder bei dunkelhaütigen Menschen normal sein, aber auch auf Melanom hinweisen. Gelbe Verfärbungen entstehen durch Rauchen, Nagellack oder Pilzinfektion. Die Diagnose und Abklärung erfordert ärztliche Untersuchung, besonders bei neuen oder sich verändernden Verfärbungen.
Systemische Erkrankungen und Nägel
Der Zustand der Nägel kann auf innere Erkrankungen hinweisen. Psoriasis führt zu Grübchen (Pitting) oder Onycholysis (Abhebung des Nagelbetts). Schuppenflechte und Ekzeme können ähnliche Veränderungen verursachen. Tuberkulose, Syphilis und chronische Atemwegserkrankungen können charakteristische Nagelveränderungen bewirken. Hormonale Störungen, Thyroiditis und andere endokrine Erkrankungen können das Nagelwachstum beeinflussen. Eine genaue Beobachtung und ärztliche Untersuchung helfen, Grunderkrankungen zu erkennen.
Nagelpflege und Vorbeugung
Eine gute Nagelhygiene ist wichtig: regelmäßiges Waschen, trockenes Halten der Nägel, sorgfältige Säuberung unter den Nägeln und Vermeidung von Trauma. Aggressive Nagelpflege, Nagelkauen und Quetschen sollten vermieden werden. Der Kontakt mit reizenden Stoffen und Pilzquellen sollte durch Handschuhe begrenzt werden. Regelmäßiges Desinfizieren von Nagelschere und Nagelfeile beugt Infektionen vor. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eisen, Zink und Vitaminen unterstützt das Nagelwachstum.
Wenn Sie an Nagelverfärbungen, Verformungen, Infektionen oder anderen Nagelveränderungen leiden, sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder einen Dermatologen aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung, besonders bei Nagelpilzinfektionen, erhöht die Heilungschancen. Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker berät Sie gerne bei der Anwendung von topischen Antimykotika und Nagelpflegeprodukten.
Hinweis: Dieser Text dient nur der allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung durch Ärztin oder Arzt oder Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker.