Erkrankungen der Haare
Die Haare sind ein sichtbarer Bestandteil der Körperoberfläche und unterliegen verschiedenen Erkrankungen, die sowohl medizinische als auch kosmetische Belange betreffen. Haarausfallstörungen, Infektionen der Kopfhaut und strukturelle Haardefekte beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Dabei reicht das Spektrum von vorübergehenden, behandelbaren Problemen bis zu chronischen Erkrankungen. Ein Verständnis der verschiedenen Haarerkrankungen und ihrer Ursachen ermöglicht eine gezielte Behandlung und realistische Erwartungen hinsichtlich der Prognose.
Haarausfall und Alopezie
Haarausfall ist ein häufiges Problem, das verschiedene Ursachen haben kann. Die androgenetische Alopezie (genetisch bedingter Haarausfall) ist die häufigste Form und wird durch genetische Veranlagung und Androgenempfindlichkeit verursacht. Sie zeigt sich durch Rückgang der Haarlinie oder Ausdünnung am Scheitel, besonders bei Männern. Die Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung, die zu plattenförmigen Haarausfallstellen führt. Sie tritt oft bei jüngeren Menschen auf und kann stressbedingt sein. Das Telogen-Effluvium ist ein vorübergehender, diffuser Haarausfall, der nach Stress, Fieber, Trauma oder Medikamentennebenwirkungen auftritt und sich meist selbst zurückbildet. Trichotillomanie ist eine psychische Störung mit zwangsmäßigem Ausreißen von Haaren. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann von Stressabbau bis zu medikamentöser Therapie reichen.
Kopfhauterkrankungen
Das seborrhoische Ekzem der Kopfhaut ist eine häufige Erkrankung mit Juckreiz, Rötung und fettigen Schuppen, verursacht durch Hefepilze und Überproduktion von Talg. Die Behandlung erfolgt durch spezielle Shampoos mit antimykotischen Wirkstoffen oder Ketoconazol. Die Psoriasis kann ebenfalls die Kopfhaut befallen und führt zu dicken, silbrig-weißen Schuppen und Plaques. Die Kontaktdermatitis durch Haarpflegeprodukte, Färbemittel oder Reizstoffe zeigt sich durch Rötung und Juckreiz. Die Pediculosis capitis (Kopflausbefall) ist eine parasitäre Infektion, besonders bei Kindern, und wird durch Antiparasitika-Shampoos behandelt. Eine gute Kopfhygiene, milde Shampoos und die Vermeidung von Reizstoffen sind grundlegend.
Haarstruktur und Haarbruch
Spliss (Trichoclasis) ist ein Haarschaftdefekt mit Aufspaltung der Haarfasern, verursacht durch mechanische Belastung, Hitze oder chemische Behandlung. Die Prävention und Behandlung erfolgt durch sorgfältige Haarpflege, Feuchtigkeitspflege und Schneiden der beschädigten Enden. Brüchiges Haar kann durch Mangelernährung, Hormonveränderungen oder starke chemische Behandlung entstehen. Eine ausreichende Proteinzufuhr und die Minimierung von Hitzebehandlung helfen. Das Trichomycosis axillaris ist eine bakterielle Infektion der Achselhaare mit roten, schwarzen oder gelben Verfärbungen und wird durch antibiotische oder antimykotische Behandlung gelöst.
Haarausfall durch Erkrankungen und Medikamente
Verschiedene innere Erkrankungen können zu Haarausfall führen: Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Proteinmangel, systemischer Lupus erythematodes und andere. Auch Medikamente wie Betablocker, ACE-Hemmer, Antikoagulanzien und Chemotherapeutica können Alopezie verursachen. Eine sorgfältige Anamnese und gegebenenfalls Laboruntersuchungen helfen, die Ursache zu klären. Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Wenn möglich, sollte das verursachende Medikament abgesetzt oder ersetzt werden.
Haar- und Kopfhautpflege
Eine angepasste Haarpflege mit milden Shampoos ohne aggressive Tenside ist wichtig. Häufiges, zu heißes Waschen und aggressive mechanische Belastung durch Bürsten oder zu festes Frisieren können Haarschäden verursachen. Feuchtigkeitspflege und regelmäßiges Schneiden minimieren Spliss. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein, Eisen, Zink und B-Vitaminen unterstützt die Haargesundheit. Stressabbau und ausreichend Schlaf fördern auch das Haarwachstum.
Wenn Sie unter Haarausfall, Kopfhautproblemen oder anderen Haarerkrankungen leiden, sollten Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder einen Dermatologen aufsuchen. Die Ursache kann oft durch gezielte Untersuchung geklärt und gezielt behandelt werden. Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker berät Sie bei der Wahl geeigneter Shampoos und Haarpflegeprodukte.
Hinweis: Dieser Text dient nur der allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung durch Ärztin oder Arzt oder Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker.